GA78 Der Spruch Anaximander
Der Spruch Anaximander (1946) [2010]
INHALT
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1. Zitierung des Spruches und der Übersetzungen von Nietzsche und Diels
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2. Verschiedenheit und Gemeinsamkeit der beiden Übersetzungen. Nietzsches philosophische und Diels' philologische Intention. Die traditionelle Ansetzung des frühgriechischen Denkens als »Naturphilosophie« und die Zuordnung des Anaximander zu derselben
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3. Der eigentliche Grund der Einstimmigkeit der beiden Übersetzungen: die Vorrangstellung Platons
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a) Übersetzung als Auslegung innerhalb einer vorgefaßten »Auslege«. Der Platonismus als »Auslege« des frühgriechischen Denkens als »vorplatonischer« bzw. »vorsokratischer Philosophie«
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b) Grundzüge des Platonismus: die ἰδέα als das »Sein« und die Unterscheidung von Sinnlichem und Nicht-Sinnlichem als Bereich des Denkens. »Philosophie« = Platonismus. Platonismus = Idealismus. Die Gegenbewegungen zum Idealismus und der Materialismus als Gestalten des Platonismus
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c) Die Abhängigkeit der Übersetzungen von Diels und Nietzsche vom Platonismus des traditionell-klassischen Bildungsbestandes des 19. Jahrhunderts. Nietzsches Philosophie als »umgedrehter Platonismus«. – Hegels philosophische Auslegung der »älteren Philosophen« im Ausgang von Aristoteles
4. Die wesentlichen Bedenken gegen das Vorhaben der Auslegung des Spruches. – Die Möglichkeit unseres von ihm Eingenommenseins5. Der Bau des Spruches: seine Gliederung in zwei Teile und die Verbindung derselben durch das Wort γάρVORBEREITENDE EINFÜHRUNG IN DAS ZU DENKENDE
Das »Wovon« des Spruches im Ganzen: τὰ ὄντα. Die Frage der Übersetzung von τὰ ὄντα und die griechische Erfahrung des Seins
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§ 6. Die wörtliche Übersetzung von τὰ ὄντα als Anstoß für das Denken
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a) Destruktion der üblichen Übersetzung von τὰ ὄντα durch »die Dinge« und vorläufige Übersetzung durch »die Seienden«. – τὰ ὄντα als »Wovon« des Spruches im Ganzen und als das uns in ihm in Anspruch Nehmende
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b) Verdeutlichung des in τὰ ὄντα Genannten: das ὄν als Partizip zum Verb εἶναι, »sein«. – Die Herabsetzung des »Seins« zum Hilfszeitwort in der Grammatik, das heute herrschende Verständnis von »Sein« als Wirklichkeit und die Herkunft beider aus dem Entzug des Seins selbst. – Die Zweideutigkeit des ὄν als Partizip: »das Seiende – im Sein«, »das Sein – des Seienden«
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c) Die Zweideutigkeit des ὄν als Anlaß der Frage nach der Unterscheidung von Sein und Seiendem als Aufgabe des zukünftigen Denkens. – Die Unterscheidung als ungesagter, ungedachter Bereich des abendländischen Denkens seit der griechischen Frühzeit und als das ungesprochene Worin des Spruches des Anaximander
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d) Die Pluralform und die ihr gemäße Zweideutigkeit von τὰ ὄντα: »die Seienden« – »das Seiende«. Abweis der Bedeutung von τὰ ὄντα als »Ausschnitt« des Seienden. – Die Versammlung aller je »Seienden« in die Einheit des Seins als ein weiteres Ungesprochenes des Spruches
§ 7. Die wortgetreue Übersetzung von τὰ ὄντα-
a) Die Frage nach der Bedeutung von »Sein« und die Flüchtigkeit unseres Verständnisses von Sein. Die ungeklärte Bedeutung von Sein bei uns heute (»Sein« = Wirklichkeit) und die Frage nach seiner Bedeutung bei den Griechen
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b) Vorläufige Freilegung des griechischen Sinnes von Sein
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α) Rückgang auf Homer (Ilias I, 70): τὰ ὄντα = das gegenwärtig Seiende, i.e. das »zur Zeit« Anwesende. »Sein« = gegenwärtig sein, anwesen…
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β) Rückgang auf einige sprechende griechische Worte. »An-wesen« = sich an-bringen, Bracht, Pracht, Er-scheinen, Glänzen
§ 8. Exkurs: Aufhellung der griechischen Erfahrung von Sein durch die griechische Dichtung. Auslegung der Eingangsworte von Pindars V. Isthmischer Ode (Verse 1-18)-
a) Das Gold als περίωσος ἄλλων (»über-ragend an Sein [alles] andere und ausbreitend Sein um [sich] herum«)
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α) Die Erfahrung des Seins im Glanz des Goldes
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β) Das Gold »geachtet wegen der Θεία«. Die Θεία als »Mutter des Helios« und das Wesen des Seins als das lichtend in sich zurückgehende Offene. Die Θεία als »Mutter« der Götter und der Menschen; die Götter (Θεοί) als die »Hereinblickenden« (θεαταί) und die Menschen als die erblickt erblickenden »Tagwesen« (ἁμέραι) (Pythia VIII, 95)
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γ) Der Wesensblick des Menschen für das Gold und das Erscheinen alles Seienden von ihm her. »Sein« = her-vor-ragen (πλεῖν). Das Staunen (θαυμάζειν) als gestimmtes Offensein für den Glanz des Seins. – Scheinen und bloßer Schein
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δ) Der Mensch, die Θεία und die Θεοί. – Der sterbliche Mensch als gelichtetes Da-sein, »geschicklich dem Geschick« (ὲν πάσχειν)
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ε) Der Mensch und die Sprache (λόγος). Sprache und Dichtung (λόγος ἐσθλός). Das dichtende Sagen als Schmieden des Goldes in die Sprache (Pindar, Fragment 194)
§ 9. Der griechische Sinn von τὰ ὄντα: »die Anwesenden« bzw. »das Anwesende«, d.i. alle je Anwesenden in ihrer Versammlung in das Sein. – Das Sein als Ἕν (Heraklit, Parmenides) und als Λόγος (Heraklit)ERSTES KAPITEL Der erste Teil des Spruches
Das, was der erste Teil des Spruches von den Anwesenden (τὰ ὄντα) sagt: γένεσις und φθορά – εἴςω / εἰς ταὐτά – κατὰ τὸ χρεών
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§ 10. Γένεσις und φθορά. – Die Frage der Übersetzung. Destruktion der gewohnten Vorstellungen von γένεσις und φθορά und Gewinnung ihres griechischen Sinnes aus dem Sein als An-wesen
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a) Destruktion der gewohnten Vorstellungen von γένεσις und φθορά
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b) Aufschließung des griechischen Sinnes der γένεσις aus dem ἐστί im ersten Teil des Spruches (γένεσις ἐστί τοῖς οὖσι). γένεσις = Ent-stehen, Her-vor-kommen, An-wesen. Der »ek-statische« Charakter des Ent-stehen und das im Ent-stehen wesende Ent-gehen
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c) Aufschließung des griechischen Sinnes der φθορά aus dem (im An-wesen wesenden) Ab-wesen. φθορά = Ent-gehen. Das im Ent-gehen wesende Ent-stehen gemäß dem γίνεται im ersten Teil des Spruches (φθορά γίνεται τοῖς οὖσι). – Die wechselseitige Verschränkung von Ent-stehen und Ent-gehen
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d) An-wesen als Einheit von γένεσις und φθορά (An-wesen = Her-an-wesen im aufscheinenden Ab-wesen). – Die Erfahrung des Seins qua An-wesen als unumgängliche Grundlage für das Verständnis der Auslegung
§ 11. Das »Woraus« des Ent-stehen und das »Wohin« des Ent-gehens. – Der Plural des »Woraus« (εἴςω) und des »Wohin« (εἰς ταὐτά) und ihre Selbigkeit (ταὐτά – τὰ αὐτά)§ 12. Τὸ χρεών. – Die Frage der Übersetzung. Erste Auslegung in der Orientierung an der Form des Singular: τὸ χρεών = der den Plural von εἴςω und εἰς ταὐτά in sich versammelnde Singular des An-wesens selbst§ 13. Die eigentliche Auslegung von τὸ χρεών-
a) Die lexikalischen Bedeutungen von τὸ χρεών und das Unzureichende derselben
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b) Auslegung von τὸ χρεών aus dem im ersten Teil des Spruches Gedachten: τὸ χρεών = das Wesen des An-wesens
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α) Die lexikalische Bedeutung von »Not« als Leitfaden der Auslegung. τὸ χρεών: die »nötigende« Verfügung von Ent-stehen und Ent-gehen bzw. von Gewähren und Einbehalten in die »Selbigkeit« des Anwesens. Nötigung als gewaltloses, nicht ablassenes Weisen bzw. als sein lassender Anspruch. τὸ χρεών: der (das einige An-wesen als solches) sein lassende Anspruch, d.i. »der Brauch«
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β) Verdeutlichung der Auslegung des χρεών als »Brauch«: »Brauchen« = bedürfen und dürfen. Der »Brauch« als einbehaltendes Gewähren, als Versammlung von Ent-stehen und Ent-gehen in die Einheit des An-wesens, als einbehaltendes Wesenlassen des An-wesens als Weile
§ 14. Destruktion der philologischen, traditionellen Auslegung des zweiten Satzes als einer »poetischen« Wiederholung des ersten. Der Unterschied zwischen dem »Subjekt« des ersten und dem des zweiten Satzes: γένεσις und φθορά (= das Sein) – αὐτὰ bzw. τὰ ὄντα (= das Seiende). – Die Frage nach der ungesprochenen Unterscheidung von Sein und Seiendem als dem Grunde des Unterschiedes beider Sätze§ 15. Τὰ ὄντα. – Aufweis der bereichlosen Weite von τὰ ὄντα im Durchgang durch die Destruktion der gewohnten Auslegung von τὰ ὄντα als des gesonderten Bereiches der »Natur«-
a) Τὰ ὄντα: Alles Anwesende, »das Seiende«, »die Natur«. Natur als φύσις, d.i. als von sich her Aufgehen, Ent-stehen, An-wesen
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b) Die Zugehörigkeit des Menschen zur φύσις und seine Sonderstellung als Sterblicher. Der Tod als das Äußerste des Anwesens und als das Innerste aller Anwesung. Die Götter als zum Anwesenden Gehörige. – τὰ ὄντα = τὰ πάντα
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c) Ausblick: Die griechische Erfahrung des Seins als φύσις und das kommende Geschick. Das Ereignis der Lichtung des Seins in der griechischen Frühe, die Ungedachtheit der Unverborgenheit und die daraus folgenden bereichshaften Beschränkungen des Seins. – τὰ ὄντα: die bereichlose Weite des Anwesens alles Anwesenden (Homer, Ilias 70)
ZWEITES KAPITEL Der zweite Teil des Spruches
Das, was der zweite Teil des Spruches von den Anwesenden (τὰ ὄντα) sagt: διδόναι δίκην und τίσιν ἀλλήλοις – ἁδικία – ἡ τοῦ χρόνου τάξις
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§ 16. Die Frage der Übersetzung der genannten Worte. – Destruktion der traditionellen Auslegung derselben als aus dem sittlichen Bereich auf die Natur übertragener »poetischer« Metaphern und Auslegung derselben als bereichlos weiter Worte des Seins qua An-wesen. – Die Unterscheidung von Sein und Seiendem als Leitfaden und die verborgene Not der ihr folgenden Auslegung
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§ 17. Διδόναι δίκην. – Δίκη. Destruktion der traditionellen Auslegung (ius, iustitia) und Rücknahme in die griechische »Auslege«: δίκη = »Recht«, »Fug und Recht«. δίκη (δεικνύναι): der weisend verfügende Fug. – διδόναι = »geben«. Auslegung aus dem fügenden »Brauch« (τὸ χρεών). διδόναι δίκην: »gehörenlassen Fug dem Brauch«
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§ 18. Διδόναι καὶ τίσιν ἀλλήλοις. – Das zweifache Gerichtetsein des διδόναι und sein »Zumal« (καί): 1. διδόναι δίκην: »Fug gehören lassen« dem An-wesen, 2. διδόναι τίσιν ἀλλήλοις: »Ruoch gehören lassen« je dem anderen (Anwesenden) sowie je »einander«. Ἡ τίσις = »die Ruoch«
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§ 19. Ἡ ἀδικία
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a) Die Gefahr der »Irre« (aus »Fug« und »Ruoch« geraten) und die ἀδικία. Destruktion der traditionellen Übersetzung von ἀδικία (»Ungerechtigkeit«). Übersetzung bzw. erste Worterläuterung in der Orientierung an δίκη = »Fug« → ἀδικία = der »Unfug«
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b) Aufdeckung des im An-wesen selber wesenden »Unfugs« durch Verdeutlichung des Anwesens aus dem Hinblick auf die Zeit. – Anwesen = »zur Zeit« anwesen; Zeit als offene Weite. – Das Weilen in die Zeit als die eigentliche Fuge des (aus Ent-stehen und Ent-gehen gefügten) An-wesens. Der »Brauch« als Fug des »Un-« (qua »Mangel« an Fug), d.i. als »Unfug«
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c) Das primär im Wort »Unfug« genannte anfängliche, eigentliche Wesen des Unfugs: die erfügende Verfügung der Fuge. – »Un-« = »entgegen«, »gegen«. Widriges und sich zukehrendes »Gegen«. Das »Ent-gegen« als Wort für die Verwindung des »Gegen« (qua Her…, Her-an) ins »Ent-« (qua Weg) und des »Ent-« ins »Gegen« durch das Hineinwinden des sich zukehrenden »Gegen« in das Gewinde beider (als Weile). »Un-Fug« = das Un- als der Fug
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d) Das sekundär im Wort »Unfug« genannte abgeleitete Wesen des Unfugs: das Ausbleiben des Fugs infolge des sich Entwindens (aus der Verwindung in die Weile) in das Beharren auf dem bloßen Verharren. – Fug und Ruchlosigkeit als Folgen des sich Entwindens
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e) Terminologische Klärung der Zweideutigkeit von »Unfug« und »Verwindung«. – »Unfug«: 1. Un-Fug (= Fug des Un); 2. Unfug (= Ausbleiben des Fugs). – »Verwindung«: 1. Hineinwinden des fügenden »Un-« in das Gewinde des Brauchs; 2. Verwinden des Unfugs (qua Ausbleiben des Fugs). – Hinweis auf die Herkunft der Zweideutigkeit des »Unfugs« aus der Zweideutigkeit des ὄν
§ 20. Ἡ τοῦ χρόνου τάξις. – Χρόνος-
a) Die Aufgabe der Auslegung des Wesens der Zeit aus dem Spruch des Anaximander selbst sowie aus der griechischen Dichtung
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b) Destruktion des heutigen Zeitbegriffs durch einige allgemeine Betrachtungen zu seiner Geschichte
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α) Der heute herrschende Zeitbegriff: Zeit als Uhrzeit, »Raum und Zeit« als Koordinaten der wissenschaftlich-technischen Vergegenständlichung alles Seienden. Bergsons Unterscheidung von temps und durée. Die Herkunft der Zeit als berechenbarer Zeit aus dem Wesen der Technik
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β) Die Herkunft des Wesens der Technik aus dem Sein selbst. Aktuelle Beispiele der universalen Herrschaft der Technik
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γ) Die Vorbereitung der technischen Vorstellung von Raum und Zeit durch Aristoteles: Auslegung der Zeit aus dem Sein des Seienden in Vergessenheit der Lichtung von Sein aus der Zeit. – Der Entzug der Lichtung (Wahrheit) des Seins als Grundzug der Geschichte von Aristoteles bis Nietzsche
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δ) Hinweise zur Gewinnung des primären, eigentlichen Wesens der Zeit
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ε) Die Entsprechung von »Raum und Zeit«: Raum als »Ort, an dem …« (τόπος) – Zeit als »Zeit, zu der …«. Anzeige des eigentlichen Wesens der Zeit durch eine Reihe von sprachlichen Wendungen. Zeit als Zeitigung des Zeitigen und Unzeitigen
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ζ) Die Vergessenheit der zeitigenden Zeit und die Langeweile als ausgezeichnetes Phänomen der Bezeugung der Nähe der Zeit als Lichtung von Sein
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η) Die Zeit als das Zeitigende des Anwesens des Anwesenden je zu seiner Zeit, d.i. als das Zeitigende der jeweiligen Weile. Das eigentliche Wesen der Zeit: das Erweilnis
§ 21. Ἡ τοῦ χρόνου τάξις. – Τάξις. Ungemäßheit der bisherigen Übersetzungen. Auslegung von τάξις aus der Zeit als erweilender Zeit. Ἡ τάξις: die zuweisende Einweisung des je Seienden in die jeweilige Weile. – Hinweis auf die durchgängige Selbigkeit des in den wesentlichen Worten des zweiten Satzes Gedachten§ 22. Die Frage nach dem Verhältnis der beiden Sätze des Spruches des Anaximander. Das Rätselwort γάρ als Nennung des fraglichen VerhältnissesDRITTES KAPITEL Das Verhältnis der beiden Teile des Spruches. Das Rätselwort γάρ
I. Vorläufige Bestimmung des Einigenden der beiden Teile
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§ 23. Die Frage nach dem Wie des Vorgehens zur Klärung des Verhältnisses der beiden Teile
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a) Der (vermeintliche) primäre Hinblick auf das Ganze gemäß dem Vorrang des Ganzen vor den Teilen. – Kritische Erörterung der gegenständlich-analytischen Vorstellung der Sprache als eines aus mannigfachen Ganzheiten (Schichten) bestehenden Ganzen
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b) Der primäre Hinblick auf das im Spruch sich zur Sprache bringende Einfache als Grund seiner Einheit. Das Sein als das Gesprochene und das Einfache als das Ungesprochene des Spruches
§ 24. Die im ὄν liegende, ungesprochene Unterscheidung von Sein und Seiendem als das einigend-entzweiende Einfache des Spruches und ihre Auslegung aus diesem selbst-
a) Vorläufige Auslegung der Unterscheidung (die Seienden = die Jeweiligen / das Sein = die Weile) und destruierende Abhebung derselben gegen bekannte Unterscheidungen der Metaphysik (essentia / existentia; Reales / Rationales). Rückführung der metaphysischen Unterscheidungen auf »die Unterscheidung« als ihre ungedachte Herkunft
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b) Weitere Auslegung »der Unterscheidung«: die ungesprochene Selbigkeit von ἀδικία, χρεών und ἡ τοῦ χρόνου τάξις als das Gefüge der Unterscheidung. – Die Frage nach dem Anhalt für die Auslegung des Wesens des Seins als des versammelnden Selben
II. Die Auslegung des »anderen Wortes« des Anaximander: Ἄπειρον
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§ 25. Aufweis des »anderen Wortes« als Eigentum des Anaximander im Ausgang von dem als echt geltenden ἄπειρον. – Infragestellung der durch Hegel geprägten Übersetzungen von τὸ ἄπειρον. – Die die Auslegung des »anderen Wortes« leitende Fragefolge
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§ 26. Auslegung des »anderen Wortes« des Anaximander im Ausgang von der in ihm genannten ἀρχή
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a) Destruktion der ontisch-dinglichen Vorstellung der ἀρχή als eines bloßen »Ausgangspunktes« und erste Freilegung ihres Wesens als des das Ausgehen durchwaltenden Ausgangs. – Die Selbigkeit der ἀρχή mit dem »Woraus« (εἴςω) des Entstehens und dem »Wohin« (εἰς ταὐτά) des Entgehens sowie mit dem »Brauch« (τὸ χρεών) im Spruch des Anaximander. – Die ἀρχή als ἀρχὴ τῶν ὄντων und als φύσις
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b) Destruktion der metaphysischen Auslegung der ἀρχή als »Grund« (principium) und »Ursache« (causa). Die Herkunft von »Grund« und »Ursache« aus dem Wesen der ἀρχή als χρεών. – Ἡ ἀρχή = »der Beginn« (zu »ginnen« = brauchen)
§ 27. Die ἀρχή als ἄπειρον. Das Wesen des ἄπειρον bei Anaximander-
a) Die metaphysische Auslegung des ἄπειρον bei Aristoteles (Physik III) und deren Grundzüge: »das Unbegrenzte« (τὸ ἄπειρον) als Seiendes und als das »dem Begrenzten« (πεπερασμένῳ) »Gegenüberstehende«
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b) Auslegung des ἀ- bei Anaximander aus dem Wesen des Seins (qua Anwesen)
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α) Vorläufige Worterklärung von ἀ-πειρον
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αα) Das Präfix ἀ- und seine Bedeutungen: 1. Die grammatische Bedeutung: ἀ- privativum; 2. die ursprüngliche Bedeutungsvielfalt des ἀ- (»un-«, »entgegen«). Die Affinität des ἀ- im ἀ-πειρον mit dem ἀ- in der ἀ-δικία des Spruches
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ββ) Das Wort πέρας (»Grenze«, »Ende«) und seine Bedeutungen: 1. Die »negative« Bedeutung: »Ende« als Wo des Aufhörens; 2. die »positive« Bedeutung: »Grenze« als Grenzung bzw. »Ende« als Endung, d.i. als Worin des vollen Anwesens (ὅρος, εἶδος). – Die »grenzende Grenze« als fügende ἀρχή bei Heraklit (Fragment 103). Unangemessenheit in Bezug auf das ἀ-πειρον des Anaximander
β) Denkende Klärung des ἀ-πειρον im Rückbezug auf die ἀ-δικία im Spruch des Anaximander. – ἀ- = »un-«, »entgegen« als wehrendes Entgegen; πέρας = »Grenze« als auf sich bestehende Mark – τὸ ἀ-πειρον = das (wehrende) »Ab-wesen« der Grenze qua Mark. – Platons εἶδος als »Mark«γ) Erneute Auslegung von Heraklits Fragment 103. – Unterscheidung des Wesens der Grenze bei Heraklit und Anaximander (einbehaltende Grenze und auf sich bestehende Mark). Aufdeckung der einbehaltenden Grenze in der ἀ-δικία bei AnaximanderIII. Wiederaufnahme der Frage nach dem ungesprochenen Einigenden der beiden »Sätze« des Spruches des Anaximander
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§ 28. Die ungesprochene »Selbigkeit« aller wesentlichen Worte des Anaximander
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a) Die wesentlichen Worte und ihr ungesprochenes »Woraus«: die Selbigkeit des Selben (des Seins)
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b) Das in den Worten ἀ-δικία und ἀ-πειρον enthaltene ἀ- (»un-«) als Anzeige des im Sein wesenden Nicht. Das Wesen des Nicht als das Gegenhafte bzw. als Ent-gegen. Die Unmöglichkeit seiner Fassung durch die ontisch orientierte Logik und Metaphysik (negative Theologie). – Hinweis auf das Un- und das Ab-wesen als das ungesprochene einzige Selbe des Wesens des Seins
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c) Die weiteren Fragen
§ 29. Die Frage nach dem Verhältnis der ungesprochenen Unterscheidung zwischen Sein und Seiendem zum Sein selbst-
a) Destruktion des vermeintlichen Primats der Unterscheidung als solcher (i.e. als offenes Zwischen) vor dem Sein selbst
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b) Rücknahme der Unterscheidung zwischen Sein und Seiendem in das Wesen des Seins selbst
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α) Rücknahme des Begegnischarakters des Seienden in das ent-gegen Wesen des Seins selbst. An-wesen = Entgegnen in die Gegend. Rücknahme des »Zwischen« in das Ent-gegen als das Gegend erst Eröffnende und wesen Lassende
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β) Die wesentlichen Worte des Spruches des Anaximander und die in ihnen enthaltene, an das zukünftige Denken ergehende Weisung in die Unterscheidung von Sein und Seiendem bzw. in das ent-gegen Wesen des Seins
§ 30. Destruktion der (noch metaphysisch »vor-gestellten«) Unterscheidung als des vermeintlichen ungesprochenen »Grundes« des Spruches-
a) Die (vorgestellte) Unterscheidung der Zweifalt von Sein und Seiendem als des vermeintlichen Grundes der Zweifalt der Sätze und das Grund-Folge-Verhältnis als vermeintlicher Grund der Einheit derselben
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b) Die Unterscheidung von Sein und Seiendem als das einheitliche Woraus des Sprechens beider Teile des Spruches. Destruktion der grammatischen Auslegung der beiden Teile als aus Subjekt und Prädikat bestehender »Aussagen« (bzw. »Sätze«)
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c) Auslegung des Verhältnisses der beiden »Teile« aus dem Spruch als reiner Sage: Die Selbigkeit des Selben als das ungesprochene Woraus des Spruches als reiner Sage. Das Rätselwort γάρ (»nämlich«) als Nennung der Selbigkeit des Selben. Der Reichtum der Selbigkeit des Seins (qua Selben) als Herkunft der Verschiedenheit des Gesagten
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d) Die Verborgenheit des in »der Unterscheidung« und in der Selbigkeit des Seins wesenden (versammelnden) Einfachen und die Unverborgenheit der Verborgenheit desselben als Rätsel. Der Spruch des Anaximander als Zuspruch des dem zukünftigen Denken aufgegebenen Rätsels des versammelnden Wesens des Seins
ANHANG
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Anhang I: Der Spruch des Anaximander. [Abgebrochene Fassung]
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Anhang II: Beilagen
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A. Zur Dimension der Auslegung des Spruches des Anaximander: Destruktion der Subjekt-Objekt-Beziehung und Einkehr des Menschen in die Ek-sistenz in der Er-fahrung des Seyns im Hören auf das Wort des Seyns (Beilagen Nr. 1-10)
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B. Aus Sophokles, Aias 131–133 und 666–677: Das ek-statische Wesen des Menschen gemäß der gefügten Einheit von εἶναι (»sein«, »an-wesen«) und ἐκεῖν (»weichen«) (Beilagen Nr. 11–24)
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C. Zur Philologie: Übersetzungen des Spruches des Anaximander u.a. (Beilagen Nr. 25–29)
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D. Das ὄν als Partizip, die in ihm liegende Unterscheidung von Sein und Seiendem und die Frage nach der griechischen Bedeutung von »Sein« (Beilagen Nr. 30–36)
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E. Zur Bedeutung von εἶναι in der griechischen Dichtung: Homer, Pindar, Sophokles (Beilagen Nr. 37–42). Zusatz: Der Mensch als »Tagwesen« – Pindar, Pythia VIII, 92–97 (Beilage Nr. 43)
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F. Die Unterscheidung von Sein und Seiendem
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a) Die »Unterscheidung« als das ungedachte Worin der abendländischen Philosophie (Beilagen Nr. 44–47)
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b) Die Übergängigkeit der »Unterscheidung«: ihre Herkunft aus der Metaphysik (und Logik) und ihre Rücknahme in das »Ereignis« (Beilagen Nr. 48–58)
G. Ereignis, Sprache und Gespräch (Beilagen Nr. 59–67)Nachwort der Herausgeberin
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